EMDR
Eye Movement Desensitization and Reprocessing/ Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung
Hattest du schon einmal einen Splitter im Finger?
"Ein Trauma ist wie ein Splitter im Finger. Er stört und tut weh. Immer wenn man an den Finger stößt (Trigger), kommt der Schmerz. Deshalb versucht man den Finger nicht mehr zu berühren (Vermeidung). Am liebsten würdest du den Splitter und den Finger ganz vergessen (Vermeidung). Aber irgendwie klappt das nicht. Du merkst, dass du mit dem Splitter im Finger nicht mehr so sein kannst, wie zu der Zeit, als du den Splitter noch nicht hattest. Wenn du den Splitter entfernen lässt (EMDR, Traumatherapie), tut es möglicherweise kurz ein bisschen mehr weh. Dann aber hört der Schmerz auf. Die Wunde heilt von selbst, wenn der Splitter draußen ist. Manchmal bleibt eine kleine sichtbare Stelle am Finger. Die Stelle erinnert daran, dass es einmal eine Verletzung gab. Es tut aber nicht mehr weh."
(Quelle: Studienskript EMDR Freymut Akademie)
Wie kann EMDR helfen?
EMDR ist eine psychotherapeutische Methode, die vor allem bei der Behandlung von Traumafolgestörungen, wie der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), eingesetzt wird. Die zentrale Idee ist, dass belastende Erinnerungen im Gehirn nicht vollständig verarbeitet und daher wie „eingefroren“ gespeichert werden. Diese Erinnerungen können in Form von Flashbacks, Albträumen, intensiven Gefühlen oder körperlichen Reaktionen immer wiederkehren.
Durch die bilaterale Stimulation – meist in Form von geführten Augenbewegungen, manchmal aber auch durch abwechselnde Töne oder Berührungen – wird die Verarbeitung dieser Erinnerungen angeregt. Während der Stimulation ruft die Patientin oder der Patient die belastende Erinnerung ins Bewusstsein.
Die Wirkung zeigt sich auf mehreren Ebenen:
Reduktion der emotionalen Belastung:
Mit jeder Sitzung verliert die Erinnerung an Intensität, Angst und Stressgefühle nehmen ab.
Verarbeitung im Gehirn: Studien deuten darauf hin, dass EMDR den Informationsverarbeitungsprozess des Gehirns aktiviert, sodass Erinnerungen neu „einsortiert“ und in einen größeren, weniger bedrohlichen Kontext integriert werden.
Veränderung von Überzeugungen: Häufig entstehen nach traumatischen Erfahrungen negative Selbstüberzeugungen („Ich bin schuld“, „Ich bin hilflos“). EMDR unterstützt dabei, diese durch realistischere und positivere Sichtweisen zu ersetzen.
Körperliche Entlastung: Neben den seelischen Symptomen können auch körperliche Stressreaktionen nachlassen, weil das Nervensystem weniger stark auf Trigger reagiert.
Viele Patientinnen und Patienten berichten schon nach wenigen Sitzungen über eine deutliche Besserung. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass EMDR bei PTBS ähnlich wirksam ist wie andere etablierte Traumatherapien (z. B. kognitive Verhaltenstherapie) – in manchen Fällen sogar schneller zu positiven Ergebnissen führen kann.